Ich arbeitete auf einer Hochzeit, als Kugeln für mich bestimmt waren – und die Braut neben mir plötzlich erstarrte

Als ich auf dem Marmorboden des Aster Crown Hotels zusammenbrach, hörte ich Dominic Rossi über mir sagen, dass jeder, der mich holen wollte, zuerst an ihm vorbei müsse.

Drei Stunden zuvor hatte ich nur an die vierhundert Dollar gedacht, die ich für diese Schicht bekommen sollte. Meine Mutter Ellen lag in einer Klinik in Cleveland, ihr Herz machte ihr immer größere Probleme, und meine Ersparnisse waren längst in Rechnungen verschwunden. Also trug ich ein Tablett durch den Ballsaal, obwohl meine Füße brannten und meine Hände zitterten.

Unter den Kristallleuchtern standen Politiker, Banker und Besitzer von Nachtklubs. Sie lachten zu laut und hielten ihre Gläser so, als könne Champagner sie vor jedem Unglück schützen.

Dann fing ein breitschultriger Mann im nachtblauen Anzug mein Glas auf, bevor es vom Tablett rutschte.

— Du bist neu, sagte er.

— Ist das neuerdings ein Verbrechen?

Seine Augenbraue hob sich. Ich bereute meine Antwort sofort.

Neben ihm lachte eine elegante Frau mit silbernem Haar.

— Dominic, hör auf, das Personal zu erschrecken.

So lernte ich Dominic Rossi und seine Mutter Isabella kennen.

Isabella sah meine blassen Finger und legte mir eine Hand auf das Handgelenk.

— Trink Wasser, bevor du umfällst. Niemand sollte für reiche Menschen ohnmächtig werden.

Es waren vielleicht zehn Sekunden Freundlichkeit.

Dreißig Minuten später hätte diese Freundlichkeit beinahe ihr Leben gekostet.

Im Versorgungsgang roch es nach heißem Metall und Zitronenreiniger. Ein Mann in einer Cateringjacke ging gegen den Strom der Kellner. Seine rechte Hand verschwand unter dem Mantel. Doch nicht die Hand ließ mich erstarren, sondern sein Blick.

Er sah Isabella an.

Dann blitzte Metall auf.

— Runter!

Mein Tablett krachte auf den Marmor, als ich mich auf Isabella warf. Der erste Schuss zerriss den Ballsaal. Gläser explodierten, Stühle kippten um, der Kristall an den Leuchtern klirrte wie Eis.

Isabella fiel unter mir zu Boden.

— Bleiben Sie unten! schrie ich.

Der zweite Schuss nahm mir den Atem. Der dritte ließ meine Ohren dröhnen. Mein Körper zuckte, doch ich spürte nur noch den Stoff ihrer schwarzen Seidenjacke unter meinen Fingern.

— Die Dame… brachte ich hervor.

Über mir erschien Dominic. Sein Gesicht war nicht mehr ruhig.

— Welche Dame?

— Ihre Mutter.

Er drehte sich um. Isabella saß hinter ihm, blutverschmiert, aber lebendig.

— Sie lebt, sagte er.

Ich schaffte es, den Kopf zu bewegen.

— Gut.

Dann wurde alles schwarz.

Später erfuhr ich, dass Dominic nicht auf den Krankenwagen gewartet hatte. Seine Männer brachten mich in einem schwarzen Wagen zum St.-Katharina-Krankenhaus. Sieben Kugeln steckten in meinem Körper. Eine hatte eine Rippe zerschmettert, eine andere die Lunge verletzt.

Während die Ärzte um mein Leben kämpften, erfuhr Dominic, dass der Schütze zu Victor Costa gehörte. Noch schlimmer war, dass jemand bereits verbreitet hatte, ich hätte überlebt.

Ich war keine zufällige Kellnerin mehr. Ich war eine Zeugin, die einen Mordanschlag vereitelt hatte.

Hinter der Scheibe der Intensivstation stand Dominic und hielt eine braune Ledermappe in der Hand. Enzo, sein engster Vertrauter, trat zu ihm.

— Boss, sagte er leise, wenn sie überlebt und erfährt, warum du schon vorher eine Akte über sie hattest, wird sie dir nie verzeihen.

Dominic sah durch das Glas auf meinen reglosen Körper. Dann legte er die Hand auf die Mappe und sagte zu Isabella:

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— Hol einen Priester.

Isabella wurde kreidebleich.

— Dominic… was hast du vor?

Er öffnete die Tür zu meinem Zimmer. Seine Finger glitten zu einem goldenen Ring, während Enzo nach der Mappe griff und sie auf den Tisch legte. Der Verschluss sprang auf. Dominic zog das erste Blatt heraus und begann zu lesen…

TEIL 2

Das Blatt glitt aus Dominics Hand, bevor ich erkennen konnte, was darauf stand. Es landete neben dem Messingbecher mit den stumpfen Bleistiften, den eine Krankenschwester auf den Tisch gestellt hatte.

— Du kannst sie nicht heiraten, sagte Enzo.

— Ich kann.

— Sie ist bewusstlos. Sie kennt dich kaum.

Dominic wandte den Blick nicht von meinem Bett ab.

— Genau deshalb kann Costa sie nicht erreichen.

Ich lag unter einer durchsichtigen Wärmedecke. Ein Beatmungsgerät hob meinen Brustkorb, während Blut in einem dünnen Schlauch dunkelrot in einen Beutel tropfte. Die Ärzte hatten meine Operation noch nicht beendet, als Dominic einen Priester in das Krankenhaus bringen ließ.

Isabella stellte sich ihm in den Weg.

— Du willst ein Mädchen heiraten, das vielleicht stirbt?

— Sie hat sich vor dich geworfen.

— Das ist Dankbarkeit, keine Liebe.

Sein Kiefer spannte sich an.

— Ich habe nicht behauptet, dass es Liebe ist.

Diese Antwort traf Isabella härter als ein Schrei.

Der Priester, Pater Matteo, blieb an der Tür stehen. Er trug einen kleinen silbernen Anhänger unter seinem Kragen und sah erst mich, dann Dominic an.

— Eine Trauung braucht Zustimmung.

— Meine Zustimmung liegt in ihrem Namen vor, sagte Dominic.

Enzo riss den Kopf herum.

— Was soll das heißen?

Dominic nahm ein gefaltetes Dokument aus der Mappe. Darauf stand mein vollständiger Name. Mara Ellen Bennett. Darunter das Datum meiner Geburt, der Name meiner Mutter und eine Unterschrift, die ich nicht kannte.

— Das ist keine Zustimmung zur Ehe, sagte Pater Matteo.

— Nein, erwiderte Dominic. Aber es erklärt, warum ich sie schützen muss.

Niemand bekam das Dokument zu sehen.

Um zwei Uhr morgens kam der Chirurg aus dem Operationssaal. Seine Maske hing unter dem Kinn, und an seinem Ärmel klebte ein winziger roter Fleck.

— Sie lebt, sagte er. Aber die nächsten Stunden entscheiden alles.

Dominic unterschrieb sämtliche Formulare. Dabei trug er den goldenen Ring an seinem kleinen Finger, als hätte er ihn schon lange vorbereitet.

— Woher hatten Sie die Größe? fragte die Stationsleiterin.

Dominic sah zu meiner geschwollenen Hand.

— Ich habe sie beobachtet.

Am Morgen verschlechterte sich meine Atmung. Isabella saß neben mir und strich mit einem Taschentuch über meine Stirn.

— Du kennst sie, sagte sie zu Dominic.

— Nein.

— Lüg mich nicht an.

Er schwieg.

Ich bekam nichts davon mit. Doch später sagte Isabella, Dominic habe in diesem Moment ausgesehen wie der Junge, der er vor dreißig Jahren gewesen war, bevor er gelernt hatte, jedes Gefühl hinter einer verschlossenen Tür zu verstecken.

Kurz vor Sonnenaufgang kam eine Krankenschwester mit einer Nachricht aus Cleveland. Meine Mutter Ellen hatte versucht, die Klinik zu verlassen. Sie war zusammengebrochen, als sie von der Schießerei erfahren hatte.

Dominic nahm den Hörer.

— Bringen Sie sie nach New York.

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— Sie ist nicht Ihre Familie, sagte Enzo.

— Das wird sie bald sein.

— Und wenn Mara nie aufwacht?

Dominic blickte auf meinen Finger, an dem noch kein Ring steckte.

— Dann bleibt die Ehe trotzdem bestehen.

Pater Matteo trat näher.

— Dominic, dieses Versprechen schützt sie vielleicht vor Ihren Feinden. Aber es bindet auch ihr Leben an Ihres.

— Mein Leben war schon vorher an ihres gebunden.

In diesem Augenblick öffnete ich zum ersten Mal die Augen. Alles war verschwommen, und das Licht schnitt mir durch den Kopf. Ich hörte Stimmen, aber meine Zunge gehorchte mir nicht.

Dominic bemerkte die Bewegung und trat an mein Bett.

— Mara?

Ich wollte fragen, wer er war. Stattdessen kam nur ein raues Geräusch aus meiner Kehle.

Er beugte sich zu mir.

— Du bist im Krankenhaus. Deine Mutter lebt. Isabella lebt. Du bist sicher.

Dann spürte ich kaltes Metall an meiner Hand.

— Was machen Sie? flüsterte ich.

Dominic nahm meine Finger und schob den goldenen Ring darüber.

— Ich gebe dir meinen Namen, sagte er.

— Warum?

Seine Augen wurden dunkel.

— Weil dein Vater mir einst das Leben gerettet hat.

Ich starrte ihn an. Mein Vater war seit meinem vierten Lebensjahr tot. Zumindest hatte meine Mutter das immer behauptet.

Enzo ließ die Mappe fallen. Ein Blatt rutschte über den Boden und blieb direkt vor meinem Bett liegen. Darauf war ein vergilbtes Foto: ein junger Mann mit meinem Mund, meinen Augen und einer Narbe über der linken Braue.

Unter dem Bild stand ein Name, den ich nie gehört hatte.

Dominic hob das Blatt auf. Doch bevor er es zerreißen konnte, ging hinter uns die Tür auf.

Eine erschöpfte Frau im Krankenhauskittel trat herein und sagte: „Mara, deine Mutter hat dich nicht wegen seines Todes belogen. Sie hat dich vor ihm versteckt…“

TEIL 3

Die Frau im Krankenhauskittel blieb mit einer Hand am Türrahmen stehen. Ihre weißen Schuhe quietschten auf dem glänzenden Boden.

— Wer sind Sie? fragte ich.

— Dr. Nora Weiss. Ich habe deine Mutter vor zwanzig Jahren behandelt.

Dominic ging einen Schritt auf sie zu.

— Sie sollten in Cleveland sein.

— Ich war dort. Ellen hat mich gebeten, herzukommen, falls du angeschossen wirst.

Meine Finger schlossen sich um die Bettdecke. Schon diese wenigen Worte ließen die Wunde in meiner Seite brennen.

— Falls ich angeschossen werde? wiederholte ich.

Nora sah Dominic an.

— Sie wusste, dass es irgendwann passieren könnte.

Isabella schlug die Hand vor den Mund. Enzo nahm das vergilbte Foto vom Boden und drehte es um.

Auf der Rückseite stand eine kurze Nachricht:

Für Mara. Wenn Costa mich findet, soll sie niemals erfahren, wem sie vertrauen muss.

Darunter war eine Unterschrift.

Daniel Bennett.

Mein Vater.

— Er hieß nicht Daniel, sagte ich. Meine Mutter hat immer von Thomas gesprochen.

— Thomas war der Name, unter dem er mit euch lebte, antwortete Nora. Daniel Bennett war Buchhalter für die Rossi-Familie. Er entdeckte, dass Victor Costa Geld aus den Firmen abzweigte und Morde bezahlte. Als Daniel Beweise sammeln wollte, drohte Costa ihm.

Dominic stand reglos neben meinem Bett.

— Ich habe ihn aus der Stadt bringen wollen, sagte er. Aber Daniel ging allein zu Costa. Danach wurde sein Wagen am Fluss gefunden.

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— Und meine Mutter?

— Ellen war schwanger, sagte Nora. Sie wusste, dass Costa nach dir suchen würde, wenn er deinen Namen kannte. Deshalb änderte sie deine Geburtsurkunde und erzählte dir, dein Vater sei Thomas Bennett gewesen.

Ich sah Dominic an.

— Woher wussten Sie, wer ich bin?

Er legte beide Hände auf das Bettgitter.

— Vor drei Monaten fand ich deinen Antrag auf Unterstützung für die Klinik. Dein zweiter Vorname war Ellen, dein Geburtstag stimmte mit Daniels Aufzeichnungen überein. Ich ließ dich überprüfen.

— Überprüfen? Ich war eine Akte für dich?

— Ich musste wissen, ob Costa dich gefunden hatte.

— Und dann hast du mich beobachtet.

— Ja.

Seine Ehrlichkeit verletzte mich mehr als eine Ausrede.

Enzo zog ein zusammengefaltetes Blatt aus der Mappe.

— Dominic, das musst du sehen.

— Nicht jetzt.

— Gerade jetzt.

Er reichte es mir. Es war eine notarielle Erklärung von Daniel. Darin stand, dass er einen Schlüssel zu einem Treuhandkonto aufbewahrt hatte, über das Costa jahrelang Geld verschoben hatte. Der Schlüssel lag nicht bei Dominic. Er lag bei Ellen.

Auf der letzten Seite prangte ihre Unterschrift.

— Meine Mutter hat das gewusst, flüsterte ich.

— Sie hat versucht, dich am Leben zu halten, sagte Nora.

— Und du hast mich geheiratet, damit Costa nicht an mich herankommt.

Dominic nickte.

— Eine Ehe mit mir bedeutet, dass jeder Angriff auf dich ein Angriff auf die Rossi-Familie ist. Costa hätte dich sonst als zufällige Zeugin verschwinden lassen.

— Du hast mich geheiratet, ohne mich zu fragen.

— Ja.

Im Zimmer war nur das gleichmäßige Piepen des Monitors zu hören.

Ich zog den Ring von meinem Finger. Meine Hand zitterte so stark, dass er gegen das Bettgitter schlug.

— Dann nimm ihn zurück.

Dominic sah auf den Ring, aber er griff nicht danach.

— Wenn du ihn ablegst, ändert das nichts an Costa.

— Es ändert alles an mir.

Bevor er antworten konnte, klingelte Enzos Telefon. Er nahm ab, hörte drei Sekunden zu und wurde bleich.

— Was ist passiert? fragte Isabella.

Enzo legte langsam auf.

— Die Klinik in Cleveland wurde durchsucht. Ellen ist verschwunden.

Mein Herz raste gegen die Verbände.

— Von Costa?

— Nein, sagte Enzo. Die Männer haben nichts gestohlen. Sie haben nur eine Schublade geöffnet.

Dominic nahm die notarielle Erklärung an sich.

— Welche Schublade?

Enzo sah mich an.

— Die mit Ellens medizinischen Unterlagen.

Dann vibrierte mein Telefon auf dem Tisch. Eine unbekannte Nummer erschien auf dem Bildschirm. Ich nahm ab, obwohl Dominic mir die Hand entgegenstreckte.

Eine Männerstimme sagte: — Dein Vater hat etwas hinterlassen, Mara. Und deine Mutter hat es gerade geholt…

Im Hintergrund hörte ich Ellen schreien. Dann fügte die Stimme hinzu: — Wenn du deinen Mann wirklich kennenlernen willst, komm allein zum alten Bahnhof…

ENDTEIL

Dann entdeckte ich, was wirklich unter meiner Narbe lag…

Ich dachte, die Wahrheit über meinen Vater hätte alles erklärt. Doch die letzte Spur führte direkt in meinen eigenen Körper.

Im letzten Teil sagte Dominic etwas, das alles veränderte:
„Diesmal entscheidest du.“
Und ich legte den Ring selbst auf meinen Finger.

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TEIL 4 — Mein Mann brachte seine Geliebte mit einem Kind nach Hause und verlangte meine Unterschrift – doch dann verlor er die Farbe im Gesicht