TEIL 4 — Ich hing kopfüber unter Amoss Wagen, als sein gefürchteter Hengst plötzlich stehen blieb und Gideon Hale blass wurde

TEIL 4

Der Reiter hieß Samuel Voss. Ich kannte ihn nicht, aber sein rechter Ärmel war bis zum Ellbogen verbrannt, und an seinem Sattel hing ein Eimer ohne Boden.

„Wie weit ist das Feuer?“, fragte Gideon.

„Eine halbe Meile von der Ranch entfernt. Der Wind treibt es direkt auf den Brunnen zu.“

Ich hielt die Besitzurkunde mit beiden Händen fest. Das Papier war an einer Ecke eingerissen, aber Daniels Unterschrift war noch deutlich zu erkennen.

„Wer hat es gelegt?“, fragte ich.

Samuel sah zu Amos.

„Drei Männer waren dort. Einer trug Reddicks Messerscheide.“

Amos schüttelte den Kopf. „Lüge.“

„Du warst nicht dort“, sagte Gideon.

„Nein. Aber du hast Männer bezahlt, die für dich gehen.“

Amos wollte zurückweichen, doch der Schmied und die Frau vom Zaun stellten sich ihm entgegen. Niemand fasste ihn an. Niemand musste es.

Sein Blick wanderte über die Gesichter, auf denen er jahrelang seine Sicherheit aufgebaut hatte. Jetzt erkannte er in jedem davon eine Rechnung.

„Ihr könnt mich nicht festhalten“, sagte er.

„Wir halten dich nicht fest“, erwiderte Gideon. „Wir verhindern nur, dass du verschwindest, bevor jeder gelesen hat, was du unterschrieben hast.“

Gideon deutete auf die Blechdose.

Darin lagen nicht nur meine Urkunde und die Liste. Es gab Quittungen, Abtretungen und kleine Schuldscheine, alle mit Amos’ Siegel. Mehrere Siedler fanden darin ihre eigenen Namen.

Amos hatte ihnen Grundstücke abgekauft, indem er ihnen einredete, ihre alten Dokumente seien wertlos. Die Papiere hatte er danach nicht eingereicht. Er hatte sie gesammelt, bis genügend Land aneinandergrenzte, um daraus eine einzige große Frachtstation zu machen.

Mein Grundstück lag mitten darin.

Es war der letzte Streifen zwischen seiner geplanten Straße und dem Fluss.

Darum hatte er mich nicht einfach vertreiben wollen. Er musste meinen Namen aus den Unterlagen entfernen. Eine Witwe, die angeblich gestohlen hatte, wäre für jeden Beamten leichter zu übergehen gewesen als eine rechtmäßige Eigentümerin mit einer unterschriebenen Urkunde.

„Du hast Daniel schon damals bedrängt“, sagte ich.

Amos sah mich an. „Er hätte verkauft, wenn du ihn nicht aufgehetzt hättest.“

Ich dachte an meinen Mann, an seine rauen Hände und an die Art, wie er jeden Abend die Grenzpfähle kontrolliert hatte.

„Er hat nicht verkauft, weil du ihm weniger angeboten hast, als das Land wert war.“

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„Das Land war tot.“

„Nein“, sagte Samuel. „Du hast den Brunnen absichtlich verschüttet.“

Amos drehte sich zu ihm um.

Samuel zog den zweiten Vertrag aus seiner Tasche. Das Papier war an mehreren Stellen feucht und mit Ruß bedeckt.

„Ich habe ihn in der Hütte gefunden. Darin steht, dass Amos das Land nach dem Brand für zweihundert Dollar kaufen wollte. Die Unterschrift der Verkäuferin fehlt.“

„Welche Verkäuferin?“, fragte ich.

Samuel sah mich an. „Deine.“

Der Wind trug eine dünne Aschewolke über den Hof.

Ich verstand plötzlich, was Amos geplant hatte. Wenn das Haus und die Weide verbrannten, wenn der Brunnen zerstört und meine Urkunde verschwunden wäre, hätte er mich zum Verkauf zwingen können. Der Vertrag lag bereit. Nur meine Unterschrift fehlte.

„Du wolltest mich nach dem Feuer zu einer Unterschrift bringen“, sagte ich.

„Ich wollte verhindern, dass du verhungerst.“

„Mit zweihundert Dollar für ein Stück Land, das du für tausend brauchst?“

Er antwortete nicht.

Der Hengst schnaubte neben mir. An seinem Vorderbein klebte noch der rötliche Staub vom Wagenhof. Ich legte die Hand an seinen Hals. Das Fell war warm und feucht.

„Wir müssen zum Roten Bach“, sagte ich.

Gideon nickte. „Ich komme mit.“

„Und Amos?“

Der Schmied nahm die Blechdose. „Er kommt auch. Er kennt jeden Graben, den er selbst zugeschüttet hat.“

Wir ritten nicht. Wir liefen und nahmen zwei Wagen. Die Männer, die Amos jahrelang beschäftigt hatte, mussten die Wasserfässer aus seinem Lager holen. Einer von ihnen war Cal Pike. Er sagte kein Wort, als er das erste Fass auf den Wagen rollte.

Amos saß neben ihm.

Als wir den Hügel erreichten, sah ich meine Ranch im Rauch. Die trockenen Grasbüschel brannten wie Dochte. Das Feuer fraß sich am Zaun entlang, aber der Brunnen war noch frei.

„Dort!“, rief Samuel.

Drei Männer kamen aus der Rauchwand. Einer hielt eine brennende Fackel. Als er uns sah, blieb er stehen.

Gideon trat vor.

„Leg sie hin.“

Der Mann warf die Fackel in den Staub. Der zweite rannte, doch Cal stellte sich ihm mit dem Wasserhaken in den Weg. Der dritte sank auf die Knie.

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„Wir wurden bezahlt“, keuchte er.

„Von wem?“, fragte ich.

Er sah zu Amos.

Amos sprang vom Wagen. „Ihr habt keinen Beweis.“

„Doch“, sagte Cal.

Er öffnete die Hand. Darin lag ein kleines Messingplättchen, das an Amos’ Frachtkiste befestigt gewesen war.

„Einer deiner Männer hat es beim Brunnen verloren. Dein Zeichen ist darauf.“

Amos starrte auf das Plättchen.

Dann tat er etwas, womit niemand gerechnet hatte.

Er riss Samuel den Vertrag aus der Hand und hielt ihn in die Flammen am Zaun.

Ich sprang vor. Gideon packte Amos, aber das untere Drittel des Papiers fing bereits Feuer. Ich griff mit bloßen Fingern danach und zog es aus den Flammen.

Die Haut an meiner Hand brannte sofort.

Der Vertrag war beschädigt, aber die entscheidende Zeile war noch lesbar: „Verkauf nach vollständiger Zerstörung des Wohnhauses.“

Alle sahen sie.

Auch die Männer, die Amos bezahlt hatte.

„Er hat gesagt, es gehe nur um die Weide“, murmelte einer.

„Er hat uns gesagt, niemand sei im Haus“, sagte ein anderer.

Amos wurde bleich. „Ihr habt meine Anweisungen missverstanden.“

„Nein“, sagte Cal. „Wir haben sie genau verstanden.“

Er legte die Zügel seines Pferdes ab und nahm einen Eimer.

Die Männer löschten gemeinsam das Feuer. Samuel öffnete den verschütteten Entwässerungsgraben, während Gideon und ich den Zaunpfosten aus dem Boden rissen, damit die Flammen nicht weiterwandern konnten.

Als der Rauch sich lichtete, standen noch das Haus, der Brunnen und die Hälfte der Weide.

Es war kein unbeschädigter Sieg. Mein Dach war verbrannt, die Scheune nur noch ein schwarzes Gerippe, und meine rechte Hand war verbunden. Aber Daniels Grenzpfähle standen noch.

Am nächsten Morgen versammelten wir uns im Verwaltungsgebäude. Kein Richter kam aus der Ferne. Die Siedler brauchten keinen Fremden, um zu erkennen, was vor ihnen lag. Sie legten ihre eigenen Papiere auf den Tisch, verglichen Siegel und strichen die Verträge, die Amos unter falschen Versprechen gesammelt hatte.

Der alte Landvermesser, der seit Monaten behauptet hatte, Daniels Eintragung nicht zu finden, kam mit gesenktem Kopf herein.

„Amos hat mir Geld angeboten“, sagte er. „Ich habe die Abschrift versteckt.“

Er legte sie vor mich.

Ich hätte ihn anschreien können. Stattdessen nahm ich das Dokument und fragte: „Warum sagen Sie es jetzt?“

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„Weil er mich gestern Nacht bedroht hat. Er sagte, er würde mich opfern, wenn alles auffliegt.“

Gideon sah mich an. „Was willst du mit all diesen Leuten tun?“

Ich blickte auf Amos. Er saß allein an der Wand, ohne Hut, ohne die Blechdose, ohne die Männer, die sonst um ihn herumstanden.

„Die gestohlenen Papiere gehen an ihre Besitzer zurück“, sagte ich. „Seine Frachtstation wird nicht gebaut.“

Amos hob den Kopf. „Du kannst mir nicht alles nehmen.“

„Ich nehme dir nichts“, erwiderte ich. „Du hast es selbst verspielt.“

Dann sah ich zu Cal.

„Du hast mir geholfen, obwohl du mich an diesem Wagen aufgehängt hast.“

Er senkte den Blick. „Ich habe geglaubt, was Amos sagte.“

„Dann glaub künftig zuerst dem, was du selbst siehst.“

Er nickte. Es war keine Entschuldigung, die meine schmerzenden Handgelenke heilte. Aber er blieb und half, die neue Dachbalken zu setzen.

Eli bekam von Gideon eine feste Stelle im Stall und ein eigenes Bett im hinteren Raum. Sein Vater unterschrieb die Rückgabe des kleinen Grundstücks, das Amos ihm abgenommen hatte.

Und der gefürchtete Hengst blieb bei meiner Ranch.

Ich nannte ihn Wächter.

Amos hatte ihn verkaufen wollen, weil er niemanden aufsteigen ließ. Doch der Hengst hatte an jenem Morgen nicht mich gerettet, weil er zahm war. Er hatte verstanden, dass ein Mensch zu Unrecht bestraft wurde, und sich zwischen mich und die Räder gestellt.

Eine Woche später legte ich die gerettete Besitzurkunde in eine neue Blechkassette. Die verbrannte Kante ließ ich stehen. Sie erinnerte mich daran, wie nahe alles dem Feuer gewesen war.

Als ich hinausging, wartete Wächter am Zaun. Ich hielt ihm die verletzte Hand hin. Er berührte den Verband mit den Lippen, vorsichtig wie am ersten Morgen.

Hinter ihm begann Cal, den Namen „Ellison“ auf den neuen Grenzpfosten zu malen.

Der erste Buchstabe war noch feucht, als Wächter den Kopf hob und in Richtung des Roten Bachs blickte.

Dort stand mein Land.

Und diesmal trug es meinen Namen.

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TEIL 4 — Ich hing kopfüber unter Amoss Wagen, als sein gefürchteter Hengst plötzlich stehen blieb und Gideon Hale blass wurde
Годами этот странный металлический предмет лежал среди старых инструментов отца.