TEIL 4 — Meine Schwiegermutter warf mich mit einer fremden Tasche hinaus, doch als mein Mann die erste Seite sah, erstarrte er.

TEIL 4

„… zu Lydia Arkadjewna“, beendete die Bankangestellte den Satz.

Ich schloss die Augen.

Im Küchenraum fiel etwas zu Boden. Wahrscheinlich der Umschlag. Vielleicht ein Glas. Für einen Augenblick hörte ich nur mein eigenes Blut rauschen.

„Sind Sie sicher?“, fragte ich.

„Ja. Wir haben die Überweisung gestoppt, soweit das möglich war. Bitte kommen Sie morgen früh mit Ihrer Rechtsberaterin zu uns.“

„Ich komme.“

„Und Frau Sokolowa? Unterschreiben Sie ab jetzt nichts mehr, was von Ihrem Ehemann oder seiner Mutter kommt.“

Ich sah durch die Tür.

Igor stand da, bleich und mit hängenden Schultern. Lydia hatte beide Hände auf den Tisch gelegt. Ihre Finger bewegten sich nicht mehr.

Ich ging zurück in die Küche.

„Der Kredit wurde auf meinen Namen aufgenommen“, sagte ich. „Das Geld ging auf dein Konto, Lydia.“

„Das ist gelogen.“

„Die Bank hat die Spur.“

Igor sah seine Mutter an.

„Du hast das Geld genommen?“

„Ich habe es für die Wohnung gebraucht.“

„Du wolltest sie verkaufen.“

„Ich musste verkaufen! Die Schulden waren zu hoch.“

Er wich zurück.

„Welche Schulden?“

Lydia begann zu weinen. Nicht leise. Sie schluchzte laut, zornig und gekränkt, als hätte man ihr Unrecht getan.

„Ihr habt doch alle von mir gelebt. Ich habe euch ernährt. Ich habe diese Wohnung zusammengehalten.“

Elena schob den Tischkalender zur Seite.

„Das erklärt nicht den Kreditbetrug.“

Brenner nahm seinen Mantel.

„Ich beende meine Tätigkeit für Sie hiermit.“

„Sie können nicht einfach gehen“, rief Lydia.

„Doch.“

Er sah Igor an.

„Und ich rate Ihnen, heute nichts mehr zu unterschreiben.“

Kurz darauf klingelte Lydias Telefon. Sie nahm ab, meldete sich mit zittriger Stimme und sagte nur: „Ja?“

Dann wurde sie still.

READ  TEIL 4 — Ich brachte meinen Sohn zur Preisverleihung, doch als mein geschiedener Mann ihm den Preis überreichte, erstarrte sein Gesicht

„Nein“, flüsterte sie. „Das können Sie nicht machen.“

Sie hörte eine Weile zu und ließ das Telefon sinken.

„Der Käufer ist abgesprungen“, sagte Igor.

„Nicht nur das“, erwiderte ich. „Die Bank hat eine Sicherung auf dem Konto verhängt.“

Lydia sah mich an, als hätte ich persönlich ihr das Geld genommen.

„Du zerstörst diese Familie.“

Ich dachte an die Tasche im Flur, an das alte Handtuch und die Hausschuhe, die nicht mir gehörten.

„Nein. Ich habe aufgehört, sie allein zusammenzuhalten.“

Drei Tage später trafen wir uns in einem kleinen Besprechungsraum der Bank. Die Wände waren weiß, auf dem Tisch lag ein Plastikbecher mit Bleistiften. Eine Ermittlerin spielte die Tonaufnahme noch einmal ab.

Wir hörten Lydias Stimme.

„Pack ihre Sachen in die Tasche.“

Dann hörten wir Igor.

„Und wenn sie zur Polizei geht?“

Ich hatte diese Worte schon einmal gehört. Aber diesmal kamen sie aus einem Lautsprecher. Keine Wut, kein Zittern, keine Hoffnung konnte sie mehr verändern.

Igor saß neben mir und starrte auf seine Hände.

Als die Aufnahme endete, sagte die Ermittlerin: „Herr Sokolow, möchten Sie etwas ergänzen?“

Er hob den Kopf.

„Ich habe gewusst, dass sie hinausgedrängt werden sollte.“

„Und die Unterschrift?“

Er schluckte.

„Meine Mutter hat mich gebeten, Veras Ausweisbild zu schicken. Ich habe es getan. Ich habe nicht gefragt, wofür.“

Ich sah ihn an.

„Du hast nicht gefragt, weil du es wissen wolltest.“

Er antwortete nicht.

Seine Stimme, die aus dem Lautsprecher kam, war fremd geworden. Dabei war sie seine eigene.

Wegen der gefälschten Erklärung und des Kreditantrags wurde gegen Lydia und Igor ein Verfahren eingeleitet. Die Wohnung durfte vorerst nicht verkauft werden. Die Bank löschte meinen Namen aus dem Kredit, nachdem die Fälschung bestätigt worden war.

READ  TEIL 4 — Mein Mann erklärte im Scheidungssaal, ich würde alles verlieren, doch als die Richterin die Holzkiste öffnete, verstummte sein Anwalt

Das Geld aus meinen Überweisungen wurde später anerkannt. Ich bekam nicht jeden Rubel zurück, aber genug, um eine eigene kleine Wohnung zu mieten und meine Werkstatt neu aufzubauen.

Lydia zog zu ihrer Schwester in eine andere Stadt. Igor durfte die Wohnung nicht mehr betreten, solange die Ermittlungen liefen. Er rief in der ersten Woche neunundzwanzigmal an.

Ich ging nie ran.

Am zehnten Tag stand er vor Katjas Haus. Es regnete. Sein Haar klebte an der Stirn, und in seinen Händen hielt er meinen alten Holzbehälter mit den Pinseln.

Katja wollte die Tür schließen, doch ich trat in den Flur.

„Ich habe sie gefunden“, sagte Igor. „Mama hatte sie hinter dem Heizkessel versteckt.“

Ich nahm den Behälter nicht sofort.

Der Deckel war an einer Ecke abgesplittert. Auf der Oberseite klebte noch der kleine goldene Aufkleber, den Rosa Markowna vor Jahren darauf befestigt hatte.

„Warum bringst du sie mir?“

„Weil sie dir gehören.“

„Jetzt weißt du das?“

Er senkte den Blick.

„Ich weiß jetzt vieles.“

„Zu spät.“

Er nickte, als hätte er diese Antwort erwartet.

„Kannst du mir irgendwann verzeihen?“

Ich nahm den Behälter.

„Verzeihen ist nicht dasselbe wie zurückkommen.“

Er ging, ohne noch etwas zu sagen.

Im ersten Monat schlief ich weiterhin bei Katja. Ich arbeitete morgens in einer kleinen Druckerei und malte abends wieder Holzfiguren und Blechdosen an. Meine Hände rochen nach Lack, meine Kleidung nach Kaffee, und manchmal wachte ich nachts auf, weil ich glaubte, Lydia würde im Flur mit ihren Schlüsseln klirren.

Aber niemand kam.

Im November mietete ich ein helles Zimmer über einer Bäckerei. Das Fenster zeigte auf einen Innenhof, in dem ein alter Birnbaum stand. Jeden Morgen um sechs Uhr schob ich die Vorhänge zurück und hörte den Lieferwagen der Bäckerei.

READ  Сахар добавляет калории, почти не обеспечивая организм полезными питательными веществами.

Es war kein großes Leben.

Aber es war meines.

Ich stellte eine gebrauchte Werkbank ans Fenster. Katja schenkte mir eine gelbe Lampe. Nina malte ein Bild für meine Wand: ein Haus mit einem schiefen Dach, daneben eine Frau mit einem viel zu großen Koffer.

„Das bist du“, sagte sie.

„Warum ist die Tasche so groß?“

„Damit du alles hineinpacken kannst, was dir gehört.“

Ich musste lachen. Das erste Mal seit Wochen lachte ich, ohne mich dafür zu schämen.

Im Dezember fiel der erste Schnee. Er legte sich auf den Hof, auf die Fensterbretter und auf die kahlen Zweige des Birnbaums. Ich saß an der Werkbank und bemalte eine kleine Holztür grün.

Mein Telefon vibrierte.

Eine Nachricht von Igor.

„Ich habe eine Wohnung gefunden. Wenn das Verfahren vorbei ist, können wir noch einmal anfangen. Ich weiß jetzt, was ich verloren habe.“

Ich las die Nachricht zweimal.

Dann löschte ich sie.

Nicht aus Zorn.

Weil manche Türen nicht verschlossen werden müssen. Man muss nur aufhören, vor ihnen zu warten.

Am Abend stellte ich den Holzbehälter mit den Pinseln auf die Fensterbank. Der goldene Aufkleber glänzte im Licht der gelben Lampe. Draußen fiel der Schnee lautlos, und im Hof ging eine Tür auf, dann wieder zu.

Ich nahm den feinsten Pinsel heraus und setzte den ersten Strich auf das Holz.

Diesmal gehörte alles, was ich malte, nur mir.

Missed the beginning?

← Read the story from part one

Оцените статью
Добавить комментарии

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

TEIL 4 — Meine Schwiegermutter warf mich mit einer fremden Tasche hinaus, doch als mein Mann die erste Seite sah, erstarrte er.
Почему видны вены на теле: норма, причины и когда стоит беспокоиться