Ich wurde nach einer Rettung aus dem Feuer bedroht, doch als der mächtigste Mann der Stadt erschien, erstarrte sein Begleiter

Als der Feuerwehrmann mir sagte, dass die Frau in meinen Armen die Mutter des gefährlichsten Mannes der Stadt war, bekam ich kaum Luft. Nicht wegen des Rauchs.

Ich lag auf dem nassen Gehweg vor dem brennenden Haus in der Fourth Street, die Hände blutig, die Knie aufgeschürft und den Geschmack von Ruß im Mund. Neben mir hustete eine alte Frau in einem seidenen Nachthemd, während Sanitäter ihr Sauerstoff gaben. Der Regen war eiskalt, aber meine Haut brannte noch immer.

— Sie sind da hineingegangen? — fragte der Feuerwehrmann und starrte auf meinen verkohlten Mantel.

— Sie war noch oben.

— Das Haus hätte jeden Moment einstürzen können.

Ich sah zu den Flammen hinauf. Eine Scheibe zerbarst, und orangefarbenes Licht glitt über die nassen Häuserfassaden. Für einen Augenblick erinnerte ich mich an die Hand der alten Frau an meinem Hals und an ihre heisere Stimme.

Mein Sohn wird wütend sein.

Damals hatte ich geglaubt, sie rede von einem ganz normalen Sohn.

Ich irrte mich.

— Wie heißt sie? — fragte ich.

Der Feuerwehrmann tauschte einen Blick mit dem Sanitäter.

— Rosa Castile.

Der Name sagte mir nichts. Aber die Art, wie beide Männer ihn aussprachen, schon.

Ich stand auf, bevor jemand meine Daten aufnehmen konnte. Meine Finger zitterten so stark, dass ich den Reißverschluss meines Mantels nicht schließen konnte. Die verbrannte Haut an meinen Handflächen spannte bei jeder Bewegung.

— Sie müssen ins Krankenhaus — sagte die Sanitäterin.

— Ich kann mir kein Krankenhaus leisten.

— Das ist keine Frage des Geldes.

— Für mich schon.

Ich ging, bevor sie mich festhalten konnte. Hinter dem Nachbarhaus versteckte ich mich in einem schmalen Durchgang, bis die Einsatzfahrzeuge verschwanden. Dann stieg ich mit pochendem Knie in die Hochbahn und fuhr nach Hause, während meine Hände auf meinem Schoß langsam anschwollen.

Am nächsten Morgen fiel mir im Diner ein Tablett mit Kaffeetassen aus der Hand.

— Sadie, du kannst so nicht arbeiten — sagte mein Vorgesetzter Harold und betrachtete die Scherben.

— Ich brauche die Schichten.

— Du brauchst einen Arzt.

— Ich brauche die Miete.

Er antwortete nicht. Das war schlimmer als jeder Tadel.

Vier Stunden später saß ich in meiner kleinen Wohnung im vierten Stock und strich mir billige Brandsalbe auf die Finger. Die Tapete neben dem Herd löste sich in feuchten Streifen ab. Auf dem Tisch lag die letzte Mahnung meines Vermieters.

Dann klopfte es.

Dreimal. Schwer. Gleichmäßig.

— Wer ist da?

— Sadie Brooks. Öffnen Sie.

Ich nahm das Küchenmesser aus dem Block und ging zur Tür.

— Ich rufe die Polizei.

— Nein, das werden Sie nicht.

Die Stimme war ruhig, tief und völlig sicher. Ich schob die Kette vor und öffnete einen Spalt. Zwei Männer in dunklen Anzügen standen im Flur. Der vordere hatte eine breite Narbe am Kinn und Handschuhe aus schwarzem Leder.

— Sie haben Rosa Castile aus dem Feuer geholt — sagte er.

— Ich kenne sie nicht.

— Ihr Sohn möchte mit Ihnen sprechen.

— Dann soll er anrufen.

— Er ist nicht der Mann, der um Erlaubnis bittet.

Ich wollte die Tür schließen, doch seine Hand lag bereits dagegen.

— Wenn Sie mich anfassen, schreie ich.

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— Das würde ich an Ihrer Stelle tun.

Er sah über meine Schulter in die Wohnung. Auf dem Tisch lag die Mahnung. Neben ihr die offene Salbentube.

Sein Gesicht veränderte sich nicht, aber sein Blick blieb an meinen Händen hängen.

— Was will sein Sohn von mir?

— Das versucht er gerade herauszufinden.

Er griff in seine Manteltasche und zog eine dünne braune Akte hervor. Seine Finger legten sie vorsichtig auf den Türrahmen.

— Darin steht, warum Sie heute Nacht nicht einfach weitergehen dürfen.

Ich sah auf die Akte. Kein Name. Kein Siegel. Nur ein dunkler Rußfleck an der Ecke.

Dann hob der Mann die Hand und begann, den Verschluss zu öffnen…

TEIL 2

Der Verschluss sprang mit einem trockenen Klicken auf, und mein Magen zog sich zusammen. In der Akte lagen keine Fotos von mir, keine Drohung und kein Geld. Es waren Kopien von Überwachungskameras, ein Feuerbericht und eine Liste mit Namen.

Mein Name stand ganz oben.

— Warum haben Sie mich verfolgt? — fragte ich.

— Wir haben Sie gesucht.

— Das ist kein Unterschied.

Der Mann im Flur stellte sich vor.

— Carmine Bellini. Ich arbeite für Dominic Castile.

Der Name traf mich wie die Hitze des brennenden Hauses. Ich hatte ihn schon gehört. Jeder im Süden der Stadt kannte Dominic Castile. Er besaß Bars, Lagerhäuser und die Menschen, die glaubten, niemand könne sie erreichen.

— Ich gehe nirgendwohin.

— Das war nicht die Bitte.

— Dann ist es eine Entführung.

Carmine blickte kurz zu meinem Messer.

— Wenn Dominic Sie hätte entführen wollen, würden wir nicht anklopfen.

— Beruhigend ist das nicht.

Er schob die Akte durch den Türspalt. Auf dem ersten Blatt stand, dass das Feuer absichtlich gelegt worden war. Benzin war durch den Briefschlitz und an der Hauswand entlang gegossen worden. Die Treppe war acht Minuten nach Ausbruch des Feuers eingestürzt.

Mir wurde kalt.

— Sie wusste, dass jemand sie umbringen wollte?

— Nein.

— Und jetzt glauben Sie, dass ich etwas damit zu tun habe?

— Dominic glaubt gar nichts, bevor er die Antwort kennt.

Ein schwarzer Wagen hielt unten auf der Straße. Der Regen perlte über die Motorhaube wie flüssiges Blei.

— Ich bin keine Informantin — sagte ich.

— Das hat niemand behauptet.

— Sie behandeln mich aber so.

Carmine senkte die Stimme.

— Die Männer, die das Haus angezündet haben, wissen, dass Rosa überlebt hat. Wenn sie erfahren, dass eine Fremde sie herausgezogen hat, werden sie wissen wollen, was Sie gesehen haben.

— Ich habe nichts gesehen.

— Das müssen Sie ihnen erklären.

Hinter ihm trat ein weiterer Mann aus dem Treppenhaus. Er war größer als Carmine, schlank und trug einen dunklen Mantel, der keinen Regentropfen aufnahm. Er sah nicht aus wie jemand, der je in seinem Leben eine Stimme hatte erheben müssen.

Seine Augen wanderten über mein Gesicht und blieben an meinen verbrannten Händen hängen.

— Dominic Castile — sagte er.

Ich hielt das Messer fester.

— Sie schicken Männer in meine Wohnung, weil ich Ihre Mutter gerettet habe?

— Ich schicke Männer, weil andere Männer versucht haben, sie zu töten.

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— Und was soll ich jetzt tun?

— Mitkommen.

— Nein.

Carmine bewegte sich, doch Dominic hob kaum sichtbar zwei Finger. Sofort blieb er stehen.

— Sie haben Angst — sagte Dominic.

— Ich bin nicht dumm.

Für den Bruchteil einer Sekunde lag etwas beinahe Menschliches in seinem Blick.

— Das habe ich nicht gesagt.

— Dann sagen Sie mir, warum ich Ihnen vertrauen sollte.

— Das sollten Sie nicht.

Die Antwort war so ehrlich, dass sie mich stärker verunsicherte als eine Drohung.

Unten hupte der Wagen. In meiner Wohnung roch es nach nasser Wolle, Brandsalbe und der angebrannten Milch vom Vorabend.

— Wenn ich mitkomme, lassen Sie mich wieder gehen?

— Wenn Sie wollen.

— Und wenn ich nicht will?

— Dann bleibe ich hier stehen, bis Sie verstehen, dass die Gefahr nicht vor Ihrer Tür endet.

Ich sah auf meine Hände. Ich konnte kaum eine Tasse halten. Ich war müde, verletzt und wütend, aber nicht bereit, mich wie ein Paket in einen Wagen setzen zu lassen.

— Ich komme nur mit, wenn Sie mir versprechen, dass Rosa mir selbst erzählt, was passiert ist.

— Das verspreche ich.

Im Castile-Anwesen roch alles nach Zedernholz und Desinfektionsmittel. Rosa lag im Salon des Gästehauses, blass, aber wach. Als sie mich sah, streckte sie sofort ihre Hand aus.

— Das ist sie — flüsterte sie.

Dominic blieb hinter mir stehen.

— Mutter, kennst du sie?

Rosa schloss ihre Finger um meine verletzte Hand und verzog vor Schmerz das Gesicht.

— Nicht von früher, mein Sohn. Aber ich kenne ihren Namen.

— Woher?

Rosa sah nicht Dominic an, sondern mich.

— Weil der Mann, der das Feuer gelegt hat, ihn ausgesprochen hat, bevor er ging…

TEIL 3

— Welcher Mann? — Dominic war mit einem Schritt neben dem Bett.

Rosa hielt meine Hand noch immer. Ihre Finger waren kalt, aber ihr Griff wurde fester.

— Ich war wach, bevor das Feuer kam — sagte sie. — Jemand hatte den Hintereingang geöffnet. Ich hörte Stimmen im Erdgeschoss.

Carmine schloss die Tür des Gästehauses. Draußen schlug Regen gegen die Scheiben, und irgendwo im Flur tickte eine Standuhr.

— Warum hast du uns das nicht früher gesagt? — fragte Dominic.

— Weil ich wusste, dass du zuerst schießen und erst danach fragen würdest.

Carmine sah zur Seite. Dominic blieb reglos.

Rosa atmete schwer durch die Nase ein.

— Ich hörte Luca.

Dominics Gesicht wurde hart.

— Luca ist in Milwaukee.

— Er war in meinem Haus.

Der Name hing zwischen uns wie Rauch. Luca Castile war Dominics Cousin und leitete mehrere Lagerhäuser am Hafen. Ich kannte ihn nur aus der Akte, doch Rosa sprach ihn aus, als wäre er eine Wunde.

— Was hat er gesagt? — fragte ich.

— Er sagte: „Wenn Dominic glaubt, die Morettis hätten das getan, wird er ihnen den Krieg erklären.“ Dann fragte er den anderen Mann, ob die alte Dame wirklich im Schlafzimmer sei.

Dominics Hand schloss sich um die Lehne des Stuhls. Das Holz knackte.

— Warum hast du meinen Namen genannt? — fragte Rosa.

— Ich habe seinen Namen nicht genannt. Ich hörte Luca zu dem anderen sagen: „Die Frau von Fourth und Elm wird auch verschwinden, wenn sie redet.“

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Mein Herz setzte aus.

— Er wusste, dass ich dort war?

— Nein — sagte Rosa. — Er sprach von jemand anderem. Von einer Frau, die ihm die Schlüssel gegeben hatte.

Carmine zog einen kleinen Schlüsselbund aus der Tasche.

— Den haben wir im Keller gefunden. Der Hausmeister, Emil Novak, hat ihn aufgehoben, bevor die Feuerwehr kam.

— Emil lebt noch? — fragte Dominic.

— Er war zu verängstigt, um zu sprechen.

— Dann bring ihn her.

Zwanzig Minuten später saß ein schmaler Mann mit rußverschmierten Fingern am Küchentisch. Sein Mantel war an der Schulter eingerissen. Er hielt eine Metalltasse so fest, dass seine Knöchel weiß wurden.

— Ich habe Luca gesehen — sagte er.

Dominic setzte sich ihm gegenüber.

— Sag alles.

— Er kam kurz vor zwei. Zusammen mit einem Mann, den ich nicht kenne. Er gab mir Geld und sagte, ich solle den Seiteneingang öffnen.

— Warum hast du es getan? — fragte ich.

Emil sah mich an.

— Weil er meine Tochter erwähnt hat. Er wusste, wo sie zur Schule geht.

Meine Wut verlor ihre Schärfe. Sie wurde schwerer.

— Hast du Beweise? — fragte Carmine.

Emil zog einen gefalteten Papierstreifen aus seinem Stiefel. Es war ein Lagerbeleg mit Luca Castiles Unterschrift und der Uhrzeit 1:47. Darunter stand die Lieferung von Brennstoff und ein Vermerk über eine zweite Zahlung.

Dominic nahm das Blatt. Seine Augen glitten über die Schrift.

— Das ist seine Unterschrift.

— Er wollte nicht Rosa töten — sagte Rosa leise. — Er wollte dich zwingen, die Morettis anzugreifen. Während ihr Krieg führt, übernimmt er den Hafen.

Luca hatte nicht nur ein Haus angezündet. Er hatte eine Stadt in Brand setzen wollen.

Dominic stand auf.

— Carmine, hol ihn.

— Mit Vergnügen.

— Nein. Lebend. Er wird vor allen sprechen.

In diesem Moment vibrierte Dominics Telefon auf dem Tisch. Er nahm ab.

— Was?

Sein Blick fiel auf mich. Dann wurde sein Gesicht bleich.

— Wiederhole das.

Am anderen Ende sprach jemand hastig. Dominic sagte kein Wort, bis die Verbindung endete.

— Was ist passiert? — fragte ich.

Er legte das Telefon langsam ab.

— Luca hat nicht nur Emil bedroht. Er hat noch jemanden in der Hand.

— Wen?

Dominic sah zu Rosa. Seine Mutter hob die Hand an den Hals.

— Meine Krankenschwester? — fragte sie.

— Nein — sagte Dominic. — Den Mann, der Sadies Namen auf den Feuerbericht gesetzt hat. Er wurde vor zehn Minuten aus dem Krankenhaus geholt.

Carmine griff nach seiner Waffe.

Dominic sah mich an.

— Und Luca hat eine Nachricht hinterlassen. Er will Sie allein sehen…

LETZTER TEIL

Dominic stellte sich vor alle und sagte meinen Namen…

Ich dachte, ich müsste vor seiner Familie fliehen. Doch seine Erklärung veränderte, wem dieser Ort wirklich gehören sollte.

Rosa deutete auf das neue Schild und sagte:
„Dein Name ist schief.“
Da musste ich trotz allem lachen.

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Ich warf der neuen Pflegerin das Frühstück vor die Füße, doch als sie mich berührte, verstummte plötzlich das ganze Haus